Peintnerhof

„Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: Entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines. Ich glaube an Letzteres.“
Albert Einstein

Peintnerhof, Niedergail

Andrea Unterguggenberger

peintnerhof 1„Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken“, als Paracelsus (1493–1541) das sagte, war man sich der Heilkraft der heimischen Pflanzen – vorausgesetzt, dass man wusste sie zuzubereiten und anzuwenden – sicher in weitaus größerem Maße bewusst, als das heute der Fall ist. Allerdings erleben wir wieder eine Renaissance der Heilkräuter – und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen steigt die Wertschätzung gegenüber den Schätzen vor der eigenen Haustür. Zum anderen muss aber das Wissen teilweise erst mühsam wieder ausgegraben und vor dem Hintergrund des heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstandes neu interpretiert werden. Eine im Lesachtal durchgeführte Studie ergab, dass rund 50 Prozent der Flora theoretisch für Heilzwecke herangezogen werden können. Aktuelle Befragungen in der Bevölkerung ergaben, dass derzeit aber nur acht Prozent genutzt werden. Und was nicht mehr genutzt wird, gerät auch in Vergessenheit.

Gerade das Lesachtal bietet aufgrund seiner großteils noch intakten Umwelt ideale Voraussetzungen für das Wachsen und Gedeihen besonders heilkräftiger Pflanzen. Schon Dioskurides – einer der berühmten Ärzte der Antike – wusste um die hohe Qualität von Pflanzen, die auf „gebirgigen, hoch gelegenen, den Winden zugängigen, kalten und dürren“ Standorten gedeihen können. In diesem Zusammenhang lässt sich sogar von heilsamen oder nahrhaften Landschaften sprechen. Und dazu gehört das Lesachtal, davon ist Andrea Unterguggenberger vom Peintnerhof in Niedergail überzeugt. Sie ist hier aufgewachsen und froh, wieder auf den elterlichen Hof zurückgekehrt zu sein.

„Wir haben hier alles vor unserer Haustüre. Ich bin dankbar, dass ich die Chance habe, diese nahrhafte Landschaft meinen Kindern und anderen Menschen wie unseren Gästen oder Seminarteilnehmern näherzubringen und ihnen die Möglichkeiten zu zeigen, die wir haben.“ Schritt für Schritt baut sie sich seit Jahren durch Seminare für einen gesundheitsfördernden Lebensstil ein weiteres Standbein in der Vor- und Nachsaison auf. „Gemeinsam mit Schulmediziner Georg Lexer und Naturmediziner Peter Puschnik-Maurer bieten wir Seminare für eine ganze Woche oder ein paar Tage an. Jeder bringt dabei den Teilnehmern sein Spezialgebiet näher.“ Als Bergwanderführerin bringt Andrea Unterguggenberger den Teilnehmern die nahrhaften Almen und Landschaften des Lesachtals näher oder zeigt, wie gesunde Ernährungsumstellung mit einfachen Rezepten gelingt – einige davon finden Sie auch am Ende des Buches zum Nachkochen.

Lammfleisch – reine Natur

peintnerhof 2Nur von einer kleinen Landwirtschaft zu leben, ist heute fast nicht mehr möglich. Deshalb stellte Unterguggenberger einiges am Hof um: Die Kühe wichen den Kärntner Brillenschafen, im Teich schwimmen Urforellen – beides autochthone Rassen. Die Umstellung ist ein langsamer Prozess, alles wird in kleinen Schritten gemacht. „Vor Veränderung hat jeder Angst und ich wollte, dass meine Eltern meine Beweggründe verstehen. Es war nicht immer einfach, aber sie akzeptieren meine Ideen, weil sie sehen, da steckt ein Konzept dahinter und alles ist gut überlegt.“ Milch und Eier holt sie mittlerweile beim Nachbarn. Im Gegenzug spaziert immer wieder mal die Nachbarshenne durch den Garten.

„Ich wollte den Betrieb so gestalten, dass ich die Arbeiten in meinem Tagesablauf gut bewältigen kann. Früher gab es im Lesachtal viele Schafe, aber die Wertigkeit der Tiere ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.“ Auf der Schafalm hat sie daher die Hirtenhütte neu aufstellen lassen und vielleicht gibt es im nächsten Sommer sogar wieder einen Schafhirten. „Das wäre vielleicht etwas für einen Manager, der ein paar Monate aussteigen will“, verrät Unterguggenberger. Er bekäme eine Einschulung als Schafhirte und würde beim Ausstiegsprozess professionell betreut und begleitet. Ideal auch für jene, die einem Burnout vorbeugen oder gerade mittendrin sind.
Schafe lassen sich nicht einsperren und brauchen ihren Auslauf. Sie suchen sich auf der Wiese die besten Kräuter aus und liefern somit reine Natur in unübertroffener Qualität. Lammfleisch ist ein sehr guter Vitaminlieferant, vor allem für Vitamin A und Vitamine der B-Gruppe. Besonders hervorzuheben ist das „Kärntner Brillenschaf“, das sich am Peintnerhof schon sehr heimisch fühlt.
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Für den Almabtrieb der kleinen Schafherde hat Unterguggenberger ihren Sohn extra einen Tag aus der Schule genommen. „Er soll das erleben, wie wir die Tiere von der Alm holen.“ Gemeinsam stieg sie mit ihm auf den Mittagskofel auf und konnte schon ein paar weiße Tupfen erkennen. Also machten die beiden eine Pause, setzten sich hin und jausneten in aller Ruhe. „Da gibt es kein Handy, kein Radio, kein Internet. Man wird nicht gestört und kann einmal reden. Das genieße ich total.“ Danach waren allerdings die Schafe wieder weg. Sie stiegen von alleine wieder ab und suchten die Nähe zum Tal. Sie spürten, es ist Zeit und der Herbst nähert sich. Jetzt sind sie alle auf der Weide hinterm Haus versammelt, 19 Mutterschafe mit ihren Lämmern und ein Widder.
In den Sommermonaten suchen sich die Schafe ihr Futter auf der Alm und den Wiesen selbst. In den Wintermonaten werden sie am Hof mit Heu versorgt, das durch eine Heubelüftung sehr gute Qualität aufweist. Kraftfutter & Co. lehnt Unterguggenberger ab. Im Spätherbst werden Tannen und Fichten (Tasn) aus dem Hochwald geholt und über den Winter verfüttert. Die Zweige sind mineralstoffreich und das Harz vermindert den Wurmbefall. Normalerweise werden Lämmer nach vier Monaten geschlachtet. Am Peintnerhof brauchen sie zwei oder drei Monate länger, bis sie ihr Gewicht haben, dafür ist das Fleisch feiner und von besserer Qualität. Der Nachbarschafbauer Anton Knotz schlachtet die Tiere und bietet das Biofleisch mitunter auf den Märkten in Villach und Klagenfurt an. Das Fleisch der Lämmer weist einen hohen Anteil an Orotsäure auf, was wiederum zu den Antioxidantien zählt. Bei anderen Schafen kommt diese nur in der Milch vor, beim Brillenschaf ist es auch in der Muskulatur nachweisbar. Deshalb ist dieses Lammfleisch besonders wertvoll. ...